Der Innenraum der Kirche mit all seinen Kostbarkeiten


 

  Spätgotische Strahlenmadonna von 1420
Lindenholz. H.93 cm.

"Maria steht auf einem männlichen Gesicht, um dessen Haupt turbanartig ein Tuch geschlungen ist. Auf ihrem linken Arm sitzt das Kind, das nach den Schleierenden auf der Brust der Mutter greift, die sich in der Hüfte drehend, zu ihm blickt. ....Die wulstigen Falten, das breitbackige Gesicht mit dem kleinen Kinn rücken die Figur in den weiteren Umkreis der Frankfurter Bildnerei, die mit dem Namen des Dombaumeisters Madern Gerthner verbunden wird."
Fälschlicherweise wurde früher das Gesicht zu Füssen der Maria als Türkenhaupt bezeichnet, Der Kreuzzug gegen die Türken fand jedoch erst 1449 statt.
"Eher wird man deshalb das Gesicht als das des Alten Adam, dem Sinnbild der Erbsünde, von der der Neue Adam, nämlich Christus Erlösung gebracht hat, bezeichnen müssen."
Zitiert aus dem Austellungkatalog "Kunst um 1400 am Mittelrhein", Liebighaus Museum alter Plasatik, S. 117.

Die Figur stand ursprünglich in der Liebfrauenkirche im Kinzdorf (Hanau), die im 30jährigen Krieg abgebrochen wurde. Nach Einführung der Reformation in Hanau erwarb sie der Steinheimer Pfarrer Paulus Bopp (1540 - 1544) für seine Kirche. In einer feierlichen Lichterprozession kam sie so nach Steinheim und wird seither hier verehrt.
Im Mai 1980 wurde die Figur in Mainz restauriert. Die älteste originale Fassung aus dem 15. Jahrhundert war nicht mehr vorhanden. Daher stellte man die älteste erhaltene Fassung (wohl um 1680 - 1700) wieder her. Das spätmittelalterliche Kunstwerk zeigt sich also heute in der malerischen Fassung der Barockzeit.
Entnommen: Wilhelm Bernhard Kaiser: "Steinheim", S. 55.

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  St. Sebastian - Renaissancefigur um 1470
Sebastian wurde in Mailand um die Mitte des 3. Jahrhunderts geboren. Er war vermutlich Offizier der kaiserlichen Garde. Der Legende nach wurde Sebastian auf Befehl des Kaisers Diokletian in Rom mit Pfeilen gemartert, weil er als Christ seinem Kaiser nicht opfern wollte. In der folgenden Nacht kam eine fromme Christin namens Irene, um Sebastian zu bestatten. Als sie noch Lebenszeichen bemerkte, nahm sie ihn mit in ihr Haus und pflegte ihn gesund. Doch verleugnete Sebastian auch weiterhin seinen Glauben nicht, so dass man ihn mit Keulen erschlug und in die Cloaca maxima warf.
Sebastian wird in der Kunst als junger Mann, halbnackt an einem Baum oder an einer Säule gebunden und von Pfeilen durchbohrt, dargestellt. So ist er auch in unserer Alten Pfarrkirche dargestellt.
Sebastian war der Schutzpatron der Steinheimer Schützenbruderschaft. Im Jahre 1468 stiftete der Mainzer Erzbischof Diether von Isenburg einen Sebastianusaltar zum Dank für die Unterstützung der Steinheimer Schützen während der Mainzer Stiftsfehde. Zu diesem Anlass könnte die Figur entstanden sein. Sebastian wurde aber auch als Nothelfer in Pestzeiten angerufen. Von Pestepidemien war immer wieder die Stadt Steinheim betroffen.

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  St. Johannes der Täufer
Skulptur um 1880 aus der Steinheimer Bildhauerwerkstatt von Georg Busch, 98 cm hoch, mit Kreuzstab 123 cm hoch, aus Holz, bunt gefasst.
Johannes ist dargestellt als Prediger im Fellkleid und einem Kreuzstab mit Spruchband "Ecce agnus die" (zu deutsch: Siehe das Lamm Gottes) und einem ausgestreckten rechten Arm mit einem erhobenen Zeigefinger, der auf den zukünftigen Erlöser hinweist, eine häufige Darstellungsform für Johannes. Unter Lamm Gottes ist symbolisch Jesus Christus zu verstehen, der durch seinen Opfertod "hinweg nimmt die Sünden der Welt."
Sein Festtag ist der 24. Juni (Geburt), ein halbes Jahr vor der Geburt Jesu.
Am Vorabend seines Geburtsfestes findet in der Alten Pfarrkirche ein feierlicher Gottesdienst zu seinen Ehren statt und im Anschluss das große Johannisfeuer am Main.
Johannes ist der Patron der Alten Pfarrkirche und unter der Bezeichnung St.Johann Baptist Namensgeber der Pfarrgemeinde.
Johannes trat 29 n.Chr. erstmals als Bußprediger in der Öffentlichkeit auf und spendete im Jordan die Taufe als Reinigung von den Sünden. Auch Jesus empfing bei Jericho von Johannes, der ihn als Messias erkannte, die Taufe. Da der Kreis seiner Anhänger immer größer wurde, fürchtete Herodes Antipas, Vierfürst von Galiläa und Peräa, einen Volksaufstand und ließ ihn verhaften. Zudem war er erbost, dass ihn Johannes öffentlich der ehebrecherischen Verbindung mit Herodias, der Frau seines Stiefbruders, bezichtigte. Herodias fühlte sich von den Anschuldigungen tief beleidigt und forderte seinen Tod. Als ihre Tochter Salome auf der Geburtstagfeier ihres Stiefvaters tanzte, versprach der entzückte Herodes Antipas, ihr einen Wunsch zu erfüllen. Sie verlangte und erhielt das Haupt des Johannes.

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  Der neugotische Flügelaltar von 1885 (auch Busch-Altar genannt)
In den Jahren 1876 bis 1879 wurde die Kirche im neugotischen Stil umgebaut und die alten Barockaltäre durch neugotische ersetzt. Erhalten davon ist der vierflügelige Hauptaltar des Steinheimer Bildhauers Georg Busch, der jetzt nach der Sanierung der Alten Pfarrkirche zu Beginn dieses Jahrhunderts wieder an seinem alten Platz im Chor steht.
"Die vier Flügel zeigen auf der Vorderseite holzgeschnitzte Reliefs. Dargestellt sind von links nach rechts die Anbetung der Hirten, die Hochzeit zu Kana, das letzte Abendmahl und eine Kreuzwegszene. Ein reichgeschnitztes Gesprenge krönt die vier Tafeln und den Tabernakel in der Mitte." (Wenn vor dem Tabernakel in rotes Licht brennt, befindet sich das Allerheiligste darin.) "Zwischen den Tafeln rechts und links oben standen je 2 Engel mit den Marterwerkzeugen. Sie sind heute nicht mehr vorhanden. Klappt man die Außenflügel des Altares nach Innen," (geschieht in der Advents- und Fastenzeit) "so erscheinen zwei Bilder: Links die Taufe Jesu am Jordan durch Johannes den Täufer (Pfarrpatron) und rechts die Mantelteilung des hl. Martinus (Diözesanpatron).
Beide Bilder wurden von dem Steinheimer Kunstmaler Johann Kreis (1828 - 1881) in Öl auf Holz mit goldenem Untergrund gemalt. Ebenso von Johann Kreis stammen die Fassung der vier Reliefs und die Engel auf den Innenseiten der Tabernakeltüren.
Die Mensa (Altartisch) ist neu gemauert und mit Sandstein verkleidet."
Entnommen der Festschrift zur Altarweihe der Alten Pfarrkirche am 12.Dezember 2004, S. 42-43 und eigenen Ergänzungen, in Klammern gesetzt.

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  Der Zelebrationsaltar
Bei der Renovierung der Alten Pfarrkirche in den Jahren 1999-2004 wurde auch ein neuer Zelebrationaltar aus einem viereckigen Sandsteinblock errichtet, an dem der Priester die heilige Messe feiert. Er wurde am 12. Dezember 2004 von Karl Kardinal Lehmann in einem feierlichen Festgottesdienst geweiht. Bei der Weihe wurde eine sogenannte Berührungsreliquie (Kleidungsstück) der Edith Stein in ihn eingelegt.
Dieser Altar ist nun der Mittelpunkt der Alten Pfarrkirche.
Edith Stein, geboren am 12.10.1891 in Breslau, war eine deutsche Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft. Sie konvertierte 1922 zum katholischen Glauben.
1933 trat sie als Nonne in den weiblichen Karmeliterorden ein. Ihr Ordensname war Teresia Benedicta vom Kreuz. Sie floh vor den Nationalsozialisten zwar in die Niederlande, wurde aber dort von ihnen gefangen genommen, nach Auschwitz gebracht und am 09.August 1942 in Auschwitz-Birkenau vergast. Sie wurde als Jüdin und Christin zum Opfer des Holocaust.
Am 11.10.1998 wurde sie von Papst Johannes Paul II heilig gesprochen und zur Märtyrerin erklärt. Ihr Gedenktag ist der 09.10. Auch vielen evangelischen Christen gilt sie als Glaubenszeugin.

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  Der Chor der Alten Pfarrkirche
Der schöne jetzige Chor wurde in den Jahren 1504 - 1509 unter Pfarrer Indagine, also erst 50 Jahre nach Bau der Kirche in den Jahren 1449/1450, im spätgotischen Stil angebaut.
Er beeindruckt durch die hohen Maßwerkfenster und das gewaltige Kreuzrippengewölbe und die floralen Ausmalungen zwischen den Kreuzrippen.
Der Chor hat einen sog. 5/8-Schluß, d.h., wie Norbert Kemmerer in der Festschrift zur Altarweihe 2004 schreibt, der Chor hat 5 Wände, die, wenn sie symmetrisch zum Schiff fortgesetzt werden würden, ein Achteck ergäben.
In den sog. Schlusssteinen im Gewölbe, die die Kräfte über die Kreuzrippen übertragen, sehen wir die Wappen der Geldgeber, von Osten beginnend: das Wappen des Mainzer Domkapitels, dann das Wappen des Kurfürsten von Henneberg, sodann das Wappen des Kurfürsten Jakob von Liebenstein. Das letzte Wappen zum Kirchenschiff hin ist das Kurmainzer Wappen, das Mainzer Rad. Der fünfte Stein ist ein offener Sandsteinkreis. Durch ihn hing früher ein Seil, mit dem eine kleine Glocke auf dem Dachreiter geläutet werden konnte. Der sechste Stein zeigt ein Kreuz und einen Strahlenkranz. Norbert Kemmerer interpretiert dies als Symbol für den Heiligen Geist und könnte somit ein Hinweis auf die Vorgängerkapelle zum Hl. Geist sein.

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  Das Chorgestühl
In der vorreformatorischen Zeit lebten und wirkten in Steinheim zahlreiche Priester. Außerdem brachte der Kurfürst und Erzbischof in seine Sommerresidenz Steinheim in seinem Gefolge zahlreiche Geistliche mit, so dass ein Chorgestühl notwendig wurde, auch wenn die Kirche keine Stiftskirche war, wie Heinzludwig Schwab in der oben schon erwähnten Festschrift ausführt.

Chorgestühl an der Nordwand (linke Seite)

Stammt aus dem Jahre 1510. Auf einem geschwungen Band steht diese Jahreszahl in römischen Zahlen MCCCCCX. Es befinden sich an dem Chorgestühl Reliefs von zwei Propheten und das einer Madonna mit Kind. Auf der dem Kirchenschiff zugewandten Kniebankwange halten zwei Hunde das Wappen des Kurfürsten Uriel vom Gemmingen (1508 - 1514), der vermutlich auch der Stifter ist.

Chorgestühl an der Südwand (rechte Seite)

Das Chorgestühl an der Südwand stammt aus dem Jahre 1514 und ist reicher geschnitzt als das aus dem Jahre 1510. Zwischen den sechs Sitzen werden die Armlehnen gestützt von 5 Figuren als Vertreter der für den Fürsten arbeitenden Bevölkerung: Trommler, Hofnarr, Landsknecht, Tanzbär und Bauer.
Auf der Sitzbank ganz vorne am Altar ist das Wappen des Pfarrers Johannes Rosenbach, genannt de Indagine (1488 - 1537) dargestellt, der als Stifter dieses Chorgestühls gilt.
Das Relief des Propheten Elias auf der hinteren Sitzbankwange trägt die Gesichtszüge von Indagine. Indagine war als kurfürstlicher Hofastrologe auch "prophetisch" tätig und hat sich sicher gern als Elias in Holz verewigen lassen, wie Heinzludwig Schwab in der schon zitierten Festschrift vermutet.
Auf der vorderen Sitzbankwange befindet sich ein eindrucksvolles Relief des Hl. Christophorus, der das Jesuskind durch den Fluss trägt. Als Pendant zu den beiden Hunden auf der Nordseite ist auf dieser Sitzbankwange ein liegendes Tier dargestellt.
Leider wurde bei der Renovierung 1876-1879 an beiden Chorgestühlen die Bekröung aus Filialen und Wimpergen beseitigt, so dass der gotische Ausdruck des Gestühls leider ziemlich verloren ging.

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  Grabdenkmäler
In der Kirche sind 42 Personen beigesetzt. Im Wesentlichen sind dies Geistliche und Amtmänner sowie deren Familienangehörige. Amtmänner waren die Verwalter der Mainzer Kurfürsten in deren Amt Steinheim. An den Wänden des Kirchenschiffes sind noch 5 Grabdenkmälern von den nach Imgram einst vorhandenen 18 Gräbern, die mit Platten oder Denkmälern versehen waren, erhalten.

 
Südseite

Grabmal des Amtmannes Diether von Erlebach (†1503) und seiner Gemahlin Anna von Reiffenberg (†1507). Gotik. Ältestes erhaltene Grabmal.

Grabmal des Ritters Truchseß von Henneberg (†1564). Renaissance.

Grabmal der Elisabeth von Hattstein, geb. von Wolfskehl (†1551).

 
Nordseite

Denkmal für Frowin von Hutten (†1528) und seiner Gemahlin Kunigunde von Hattstein (†1548). Renaissance. Es ist das wohl künstlerisch wertvollste Grabdenkmal in der Kirche.
Typisch für die Renaissance ist die scharfe Individualisierung der Gesichter und die treue Wiedergabe aller Einzelheiten. Am Fuße des Denkmals stehen die Initialen des Künstlers C.F. (Conrad Forster). Er schuf das Denkmal sicher im Auftrag der Familie im Jahre 1553. Frowin war damals bereits 25 Jahre tot, seine Gemahlin 5 Jahre. Beide sind nicht in der Kirche bestattet worden. Frowin war von1507 - 1511 Amtmann in Steinheim und später Kurmainzer Marschall. Er baute den Huttenhof mit seinem heute noch erhaltenen Renaissance-Erker.

Grabmal des Amtmanns Georg Johann von Ingelheim (†1639). Es befindet jetzt über dem nördlichen Seiteneingang. Er war Vater des Mainzer Kurfürsten Anselm Franz von Ingelheim.

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